Ein Händler mit B2B-Shop meldete sich: Seine Firmenkunden sahen im Checkout einen Preis, der deutlich unter dem vereinbarten Nettopreis lag. Shopify hatte nicht falsch gerechnet. Es hatte genau das getan, was eingestellt war, nur war eingestellt, dass die Steuer zweimal abgezogen wird. Die Ursache: Händlerpreis und Steuerbefreiung waren vermischt. Die Lösung: beides sauber trennen.
Der Fall
Ein Großhändler für Fachwerkzeug verkauft über Shopify an Endkunden und an Firmen. Endkunden sehen Bruttopreise, so wie es im deutschsprachigen Raum üblich ist. Firmenkunden bekommen eigene Händlerpreise, und ein Teil von ihnen ist von der Umsatzsteuer befreit, etwa weil sie aus einem anderen EU-Land bestellen.
Im Frontend sah alles richtig aus. Erst im Checkout fiel einem Kunden auf: Der Preis war niedriger als in seiner Preisliste. Nicht um ein paar Cent, sondern um fast ein Fünftel.
Die Ursache: drei Dinge, die gleich aussehen
Im Gespräch heißt es oft „Händler bekommen netto“. Dahinter stecken aber drei verschiedene Dinge:
- Der Nettopreis ist ein Preis ohne Steuer.
- Der Katalogpreis ist der Preis, den eine Kundengruppe sieht, egal ob mit oder ohne Steuer.
- Die Steuerbefreiung sagt: Auf diesen Kunden wird keine Steuer berechnet.
Im Shop waren die Händlerpreise als Nettopreise im Katalog eingetragen. Der Shop selbst arbeitet aber mit Preisen inklusive Steuer. Also las Shopify den Nettopreis als Bruttopreis und zog für steuerbefreite Firmen die Steuer noch einmal heraus.
| Schritt | Betrag |
|---|---|
| Vereinbarter Händlerpreis, netto | 70,00 € |
| Im Katalog eingetragen, von Shopify als brutto gelesen | 70,00 € |
| Steuerbefreiung: Shopify rechnet 19 % heraus | 58,82 € |
| Differenz pro Stück | 11,18 € |
Shopify hat korrekt gerechnet. Nur mit falschen Annahmen.
Die Lösung: Preislogik statt Steuer-Workaround
Der schnelle Reflex wäre gewesen, die Preise im Katalog um 19 % zu erhöhen, damit am Ende wieder 70 € herauskommen. Das hätte für steuerbefreite Firmen gestimmt und für alle anderen Händler falsch gerechnet.
Wir haben stattdessen getrennt, was getrennt gehört:
- Händlerpreise als eigene Preislogik. Feste Katalogpreise, eingetragen auf derselben Basis, mit der der Shop rechnet.
- Getrennte Kataloge, wo sich die Basis unterscheidet. Firmen, die netto einkaufen, bekommen einen eigenen Katalog in einem eigenen Markt.
- Die Steuerbefreiung bleibt reine Steuersache. Sie hängt an der Firma, nicht am Preis.
Danach stimmten die Preise im Checkout für jede Kundengruppe, ohne dass irgendwo ein Rechentrick nötig war.
So prüfst du deinen Shop
- ☐ Rechnet dein Shop mit Preisen inklusive oder exklusive Steuer? Das steht in den Steuereinstellungen, pro Markt.
- ☐ Sind die Preise in deinen B2B-Katalogen auf derselben Basis eingetragen?
- ☐ Lege eine Testfirma an, die steuerbefreit ist, und eine, die es nicht ist. Bestell mit beiden dasselbe Produkt.
- ☐ Vergleiche den Betrag im Checkout mit deiner Preisliste, nicht nur die Anzeige auf der Produktseite.
Das dauert eine Viertelstunde und erspart dir Nachberechnungen bei echten Kunden.
Häufige Fragen
Ist das ein Fehler in Shopify? Nein. Shopify rechnet konsequent mit der eingestellten Basis. Das Problem entsteht, wenn Preise auf einer anderen Basis eingetragen werden, als der Shop sie liest.
Betrifft mich das, wenn ich nur deutsche Firmenkunden habe? Seltener, weil sie meist nicht steuerbefreit sind. Sobald du an Firmen im EU-Ausland verkaufst, solltest du es prüfen.
Sagt ihr mir, welche Steuerregeln für meine Kunden gelten? Nein, das klärt deine Steuerberatung. Wir sorgen dafür, dass der Shop die Regeln, die gelten, richtig abbildet.
Prüft ihr unser B2B-Setup? Ja, als Teil unseres Audits oder bei der Einrichtung von B2B.